WS 2009/10

Die ‚niederen’ Sinne: Annäherungen an eine Ästhetik des Geruchs und des Geschmacks

In der Geschichte der westlichen Kulturen haben Sinneshierarchien immer eine große Rolle gespielt. Gerade auch Erkenntnistheorien nehmen Bewertungen der einzelnen Sinne vor, wobei sich seit der Renaissance das Auge als dominanter Sinn weitgehend durchgesetzt hat. Allerdings gab es auch immer wieder Versuche, das Ohr und den taktilen Sinn aufzuwerten. Durchgängig vernachlässigt wurden jedoch die „niederen“ Sinne Geruch und Geschmack – ihnen wird, obwohl (oder vielleicht gerade weil) sie existentielle Sinne sind, keinerlei Erkenntnisqualität zugeschrieben. Auch die Kunst hat sich nur in ganz wenigen Fällen dem Geruch und dem Geschmack als Thema und als Rezeptionsmöglichkeit gewidmet.

Ziel des Seminars ist es, die verschiedenen Sinneshierarchien anhand einschlägiger Texte auf ihre Grundannahmen hin zu überprüfen, wobei besonderes Augenmerk auf die Frage gelegt wird, wie Geruch und Geschmack bewertet werden. Darüber hinaus sollen aus den Perspektiven der Theorie und der künstlerischen Praxis heraus die Möglichkeiten einer olfaktorischen und gustatorischen Ästhetik erkundet und diskutiert werden.